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Common Reporting Standard (CRS): Was über dich gemeldet wird

Common Reporting Standard (CRS) für Auswanderer – welche Daten Banken automatisch ans Finanzamt melden und was du wissen musst (2026).

Dein Kontostand liegt längst auf dem Schreibtisch eines fremden Finanzamts

Du bist vor zwei Jahren nach Portugal ausgewandert. Steuerlich sauber abgemeldet, neuen Wohnsitz gemeldet, alles korrekt. Dein deutsches Bankkonto hast du behalten — für die letzten Mieteinnahmen, ein paar Daueraufträge, die Lebensversicherung. Und dann kommt ein Schreiben der portugiesischen Finanzverwaltung: Man habe Kenntnis von einem Konto in Deutschland mit einem Saldo von 347.000 Euro. Ob du das in deiner Steuererklärung angegeben habe?

Willkommen in der Welt des Common Reporting Standard. Seit 2017 tauschen über 100 Länder automatisch Finanzdaten aus — ohne dass du etwas unterschreibst, ohne dass du informiert wirst, ohne dass du zustimmen musst. Deine Bank meldet. Das Finanzamt empfängt. Und wenn deine Steuerklärung nicht zum gemeldeten Kontostand passt, hast du ein Problem.

Dieser Artikel erklärt dir, was der CRS genau ist, welche Daten gemeldet werden, an wen, und was das konkret für deine Steuerplanung als Auswanderer bedeutet. Keine Panikmache — aber auch keine Illusion, dass Auslandskonten noch irgendwo unsichtbar sind.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Steuerberatung dar. Steuerliche Sachverhalte sind individuell — zieh vor konkreten Entscheidungen einen spezialisierten Steuerberater hinzu. Stand: Juli 2026.


TL;DR — Das Wichtigste in 60 Sekunden

  • Der Common Reporting Standard (CRS) ist ein OECD-Standard für den automatischen Austausch von Finanzkontoinformationen zwischen Steuerbehörden.
  • Über 100 Länder nehmen teil — darunter alle EU-Staaten, die Schweiz, Singapur, die VAE, Australien und viele mehr.
  • Gemeldet werden: Kontostände, Zinsen, Dividenden, Veräußerungserlöse, Versicherungswerte.
  • Die Meldung erfolgt automatisch, jährlich, ohne dein Wissen oder deine Zustimmung.
  • Nicht gemeldet werden (Stand 2026): Immobilien, Kryptowährungen (dafür kommt CARF/DAC8), physisches Gold, Kunstwerke.
  • Als Auswanderer betrifft dich CRS doppelt: Dein altes Land meldet an dein neues — und umgekehrt.

Was ist der Common Reporting Standard?

Entstehungsgeschichte: Von der Steueroase zur gläserne Welt

Der CRS wurde 2014 von der OECD entwickelt und basiert auf dem US-amerikanischen FATCA (Foreign Account Tax Compliance Act). Während FATCA nur die USA betrifft — also nur Daten an die USA fließen — ist der CRS multilateral: Alle teilnehmenden Länder tauschen untereinander aus.

Der politische Druck entstand nach den großen Steuerskandalen der 2010er-Jahre: Liechtenstein-CD, Panama Papers, Paradise Papers. Die G20-Staaten beauftragten die OECD mit der Entwicklung eines globalen Standards, der das Bankgeheimnis de facto abschafft.

Die ersten Meldungen erfolgten 2017 (Early Adopters wie Deutschland, Großbritannien, Frankreich). Seit 2018 nehmen praktisch alle relevanten Finanzplätze teil — inklusive der Schweiz, Luxemburg, Singapur und der Kanalinseln.

Rechtsgrundlage in Deutschland

In Deutschland ist der automatische Informationsaustausch in folgenden Gesetzen verankert:

  • § 138b AO — Mitteilungspflichten der Finanzinstitute
  • Finanzkonten-Informationsaustauschgesetz (FKAustG) — Umsetzung des CRS in deutsches Recht
  • EU-Amtshilferichtlinie (DAC 2) — innerhalb der EU

Deutsche Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften sind gesetzlich verpflichtet, die Daten zu erheben und ans Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) zu melden. Das BZSt leitet die Daten dann an die Partnerstaaten weiter — und empfängt deren Daten im Gegenzug.


Welche Daten werden gemeldet?

Die fünf Datenkategorien im Detail

Der CRS definiert präzise, welche Informationen übermittelt werden. Hier die vollständige Liste:

Datenkategorie Was genau Beispiel
Kontoinhaberidentität Name, Adresse, Steuer-ID (TIN), Geburtsdatum, Geburtsort Max Mustermann, NIF 123456789, geb. 15.03.1985
Kontonummer IBAN oder vergleichbare Kennung DE89 3704 0044 0532 0130 00
Kontostand/Kontowert Saldo zum 31.12. des Meldejahres 347.291,44 EUR
Erträge — Zinsen Gesamtzinsen des Jahres (Giro, Tagesgeld, Festgeld) 4.891,22 EUR
Erträge — Dividenden Dividenden aus Depotkonten 12.350,00 EUR
Veräußerungserlöse Bruttoerlöse aus Wertpapierverkäufen 89.400,00 EUR (nicht Gewinn, sondern Erlös!)
Versicherungswerte Rückkaufswert von Lebens-/Rentenversicherungen 210.000 EUR

Wichtiger Hinweis zu Veräußerungserlösen: Gemeldet werden die Bruttoerlöse, nicht der Gewinn. Wenn du ETF-Anteile für 50.000 Euro verkaufst (Gewinn: 10.000 Euro), wird 50.000 Euro gemeldet. Das ausländische Finanzamt sieht zunächst nur diesen Betrag — die Anschaffungskosten kennt es nicht. Du musst den Gewinn dann in deiner Steuererklärung korrekt angeben.

Welche Konten sind betroffen?

CRS-pflichtig sind praktisch alle Finanzkonten:

  • Girokonten und Sparkonten
  • Tagesgeld- und Festgeldkonten
  • Wertpapierdepots (Aktien, ETFs, Anleihen, Fonds)
  • Lebensversicherungen mit Sparanteil (Kapitallebensversicherung, Rentenversicherung)
  • Treuhandkonten
  • Investmentfonds-Anteile (über depotführende Stelle)
  • Private-Equity-Beteiligungen (über Fondsstrukturen)

Wer meldet?

Meldepflichtig sind sogenannte Reporting Financial Institutions — also:

  • Banken und Sparkassen
  • Depotbanken und Broker
  • Versicherungsunternehmen (soweit Sparprodukte)
  • Investmentfonds und deren Verwaltungsgesellschaften
  • Bestimmte Treuhandgesellschaften

Nicht meldepflichtig sind: Unternehmen der Realwirtschaft, Notare (die kein Geld verwahren), reine Sachversicherungen.


Welche Länder nehmen teil?

Die Dimension: 100+ Jurisdiktionen

Stand 2026 nehmen über 110 Länder am automatischen Informationsaustausch teil. Hier eine Auswahl der für Auswanderer relevantesten:

EU/EEA (alle via DAC 2 + CRS): Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, Niederlande, Irland, Malta, Zypern, Griechenland, Kroatien, Bulgarien, Rumänien, Tschechien, Polen, alle nordischen Länder

Beliebte Auswandererländer mit CRS:

  • VAE (Dubai, Abu Dhabi) — seit 2018
  • Singapur — seit 2018
  • Thailand — seit 2023 (AEOI-Teilnehmer)
  • Malaysia — seit 2018
  • Georgien — seit 2023
  • Türkei — seit 2020
  • Kanada, Australien, Neuseeland — seit 2018
  • Mexiko, Kolumbien, Costa Rica — seit 2018
  • Brasilien — seit 2018

Relevante Nicht-Teilnehmer (Stand 2026):

  • USA (nutzt eigenes FATCA-System, kein CRS — aber bilateraler Austausch mit vielen Ländern)
  • Paraguay, Bolivien
  • Einzelne Karibikstaaten (selektiv)
  • Einige afrikanische Länder
  • Kambodscha, Myanmar, Laos

Achtung: Die USA sind ein Sonderfall. Sie nehmen nicht am CRS teil, haben aber über FATCA bilaterale Abkommen mit über 100 Ländern. Die USA empfangen Daten, geben aber weniger zurück als CRS-Teilnehmer. Für US-Konten von Nicht-Amerikanern gibt es seit 2023 zunehmend Druck, das zu ändern.


Wie funktioniert der CRS technisch?

Der Meldekreislauf — Schritt für Schritt

  1. Selbstauskunft (Self-Certification): Bei Kontoeröffnung musst du angeben, in welchem Land du steuerlich ansässig bist. Das Formular dafür heißt in Deutschland "Selbstauskunft zur steuerlichen Ansässigkeit".

  2. Jährliche Datenerhebung: Die Bank erhebt zum 31.12. jeden Jahres die relevanten Daten (Saldo, Erträge, Erlöse).

  3. Meldung ans BZSt: Bis zum 31. Juli des Folgejahres melden die Institute an das Bundeszentralamt für Steuern.

  4. Weiterleitung ans Partnerland: Das BZSt übermittelt die Daten bis September des Folgejahres an die Steuerbehörde deines Wohnsitzlandes.

  5. Spiegelbildlicher Empfang: Gleichzeitig erhält Deutschland Daten über im Ausland geführte Konten von Personen, die in Deutschland steuerlich ansässig sind.

Zeitverzug in der Praxis: Die Daten für das Kalenderjahr 2025 werden also frühestens im Herbst 2026 beim ausländischen Finanzamt vorliegen. Es gibt also immer ein Zeitfenster von 9-21 Monaten — aber die Daten kommen. Immer.

Due-Diligence-Pflichten der Banken

Banken sind nicht nur Datensammler — sie sind verpflichtet, die Angaben zu prüfen:

  • Indicia-Test: Stimmt die angegebene Steueransässigkeit mit anderen Kundeninformationen überein (Adresse, Telefonnummer, Daueraufträge ins Ausland)?
  • Änderung der Umstände: Wenn du deine Adresse änderst oder eine ausländische Telefonnummer hinterlegst, muss die Bank nachfragen.
  • Bestandskonten: Auch bestehende Konten werden regelmäßig überprüft.

Wer hier falsche Angaben macht, begeht Steuerhinterziehung durch Unterlassen — keine Bagatelle.


Was der CRS für Auswanderer konkret bedeutet

Szenario 1: Du wanderst aus und behältst deutsche Konten

Du ziehst nach Portugal. Dein deutsches Konto bei der Commerzbank bleibt offen (was völlig legal ist). Du meldest der Bank deine neue Adresse und portugiesische NIF.

Folge: Die Commerzbank meldet deinen Kontostand und alle Erträge ans BZSt. Das BZSt leitet die Daten an die portugiesische Autoridae Tributaria weiter. Portugal weiß nun, dass du in Deutschland ein Konto mit X Euro hast.

Szenario 2: Du eröffnest ein Konto im neuen Land

Du eröffnest ein Konto in Singapur. Bei der Kontoeröffnung gibst du an, dass du steuerlich in Singapur ansässig bist (was nach Abmeldung aus Deutschland korrekt ist).

Folge: Singapur meldet an Deutschland — aber nur, wenn du dort noch als steuerlich ansässig geführt wirst. Da du abgemeldet bist, sollte Deutschland nicht mehr als Empfängerland gelten. Aber: Wenn du noch Einkünfte in Deutschland hast (Mieten, GmbH-Gewinne), kann das Finanzamt über CRS prüfen, ob dein Lebensmittelpunkt wirklich im Ausland liegt.

Szenario 3: Erweiterte beschränkte Steuerpflicht

Wenn du in ein Niedrigsteuerland ziehst und noch wesentliche wirtschaftliche Interessen in Deutschland hast, greift möglicherweise die erweiterte beschränkte Steuerpflicht (§ 2 AStG). In diesem Fall meldet dein neues Wohnsitzland deine Kontodaten zurück nach Deutschland — und das deutsche Finanzamt kann prüfen, ob du dort zu wenig deklarierst.

Lies mehr dazu: Erweiterte Steuerpflicht vermeiden →

Du merkst: CRS ist keine Einbahnstraße. Es ist ein Netz. Und in diesem Netz kannst du nicht verschwinden — nur korrekt navigieren.

Viele Auswanderer unterschätzen, wie vernetzt Steuerbehörden heute arbeiten. Wenn du nicht sicher bist, ob deine Kontenstruktur CRS-konform deklariert ist, verlierst du möglicherweise die Chance auf eine strafbefreiende Korrektur. Buch dir ein kostenloses Strategiegespräch →


Was der CRS NICHT meldet

Trotz seiner Reichweite hat der CRS blinde Flecken. Diese Vermögenskategorien werden Stand 2026 nicht automatisch gemeldet:

1. Immobilien

Grundstücke, Häuser und Wohnungen werden über CRS nicht gemeldet. Wer eine Immobilie in Spanien besitzt und in Deutschland lebt, wird darüber nicht automatisch gemeldet. Aber: Mieteinnahmen, die auf ein Bankkonto fließen, werden als Ertrag des Kontos erfasst. Und Spanien meldet über eigene Systeme (Modelo 720) im Inland.

2. Kryptowährungen (noch)

Bis Ende 2025 waren Krypto-Assets nicht vom CRS erfasst. Das ändert sich 2026 mit CARF und DAC8 — dem Crypto-Asset Reporting Framework. Ab 2026 werden Krypto-Exchanges und -Broker ähnliche Meldepflichten haben wie Banken.

Alles zu CARF und DAC8: Krypto-Meldepflicht 2026 →

3. Physische Vermögenswerte

  • Gold in einem Schließfach (soweit nicht auf einem Depotkonto verbucht)
  • Kunstwerke, Antiquitäten
  • Bargeld
  • Schmuck, Edelsteine

4. Unternehmensbeteiligungen (direkt)

Wenn du direkt an einem ausländischen Unternehmen beteiligt bist (nicht über ein Depot), wird das über CRS nicht gemeldet. Aber: Dividenden, die auf dein Bankkonto fließen, werden erfasst. Und es gibt separate Meldepflichten (Beteiligungsanzeige nach § 138 Abs. 2 AO).

5. Trusts und Stiftungen (teilweise)

Kompliziert: Trusts können je nach Ausgestaltung selbst als Reporting Financial Institution gelten. In manchen Fällen werden sie aber nicht gemeldet. Die Details hängen von der Jurisdiktion und der Truststruktur ab.


Häufige Fehler und Irrtümer

Irrtum 1: "Mein Konto ist zu klein — das wird nicht gemeldet"

Falsch. Für natürliche Personen gibt es keine Bagatellgrenze. Auch ein Konto mit 500 Euro wird gemeldet. Die frühe Unterscheidung zwischen "High Value Accounts" (> 1 Mio. USD) und "Lower Value Accounts" betrifft nur den Umfang der Due-Diligence-Prüfung durch die Bank — nicht die Meldepflicht selbst.

Irrtum 2: "Ich habe kein Einkommen auf dem Konto — also keine Meldung"

Falsch. Gemeldet wird immer der Kontostand zum 31.12. — auch wenn null Erträge angefallen sind.

Irrtum 3: "Ich bin Bürger des Landes — dann wird nichts gemeldet"

Falsch. CRS meldet nach steuerlicher Ansässigkeit, nicht nach Staatsbürgerschaft. Wenn du portugiesischer Staatsbürger bist, aber steuerlich in Deutschland ansässig — meldet Portugal an Deutschland.

Irrtum 4: "Ich gebe einfach mein altes Land als Ansässigkeit an"

Das ist Steuerhinterziehung. Die Bank prüft Indizien (Adresse, Überweisungsmuster, Telefonnummer). Falsche Angaben können strafrechtliche Konsequenzen haben — in Deutschland drohen bis zu 10 Jahre Haft bei schwerer Steuerhinterziehung.

Irrtum 5: "CRS gilt nur für Bankkonten"

Falsch. CRS erfasst auch Depots, Lebensversicherungen, Rentenversicherungen mit Sparanteil und bestimmte Fondsstrukturen.


Strategische Implikationen für deine Steuerplanung

Was CRS NICHT verhindert (legale Gestaltung bleibt möglich)

Der CRS ist ein Transparenz-Instrument — kein Verbot. Er verhindert nicht, dass du:

  • In ein Land mit niedrigerer Steuer ziehst (völlig legal)
  • Konten in mehreren Ländern führst (völlig legal, wenn deklariert)
  • Vermögen in nicht-CRS-pflichtige Assets umschichtest (legal, wenn korrekt versteuert)
  • Doppelbesteuerungsabkommen zu deinem Vorteil nutzt

Was CRS de facto verhindert

  • Versteckte Auslandskonten: Die Zeiten sind vorbei. Jedes Bankkonto in einem CRS-Land wird gemeldet.
  • Steuerliche "Unsichtbarkeit": Du kannst nicht mehr behaupten, nur in einem Land Vermögen zu haben, wenn du in drei Ländern Konten führst.
  • Doppelte Nicht-Besteuerung durch Ignoranz: Früher konnte man Einkünfte im Ausland "vergessen". Heute liegen die Daten beim Finanzamt — ob du sie angibst oder nicht.

Praktische Empfehlung

Die beste Strategie ist proaktive Transparenz: Deklariere alles korrekt, nutze legale Strukturen (DBA, Territorial-Besteuerung, Freibeträge) und stelle sicher, dass deine Steuererklärung mit den CRS-Daten übereinstimmt. Wer korrekt deklariert, hat vom CRS nichts zu befürchten.

Die Komplexität liegt nicht darin, Daten zu verstecken — sondern darin, sie richtig einzuordnen. Zwischen CRS-Meldungen, DBA-Regelungen und lokalen Deklarationspflichten verlieren selbst erfahrene Steuerberater manchmal den Überblick. Wenn du sicher gehen willst, dass deine internationale Kontenstruktur wasserdicht ist: Buch dir ein kostenloses Strategiegespräch →


CRS und Deutschland: Was das deutsche Finanzamt empfängt

Eingehende Meldungen

Deutschland erhält jährlich Millionen von Datensätzen aus dem Ausland. Das BZSt leitet diese an die zuständigen Finanzämter weiter. Diese gleichen die Daten mit den eingereichten Steuererklärungen ab.

Seit 2020 setzt die deutsche Finanzverwaltung zunehmend auf automatisierte Risikoanalyse: Algorithmen vergleichen CRS-Meldungen mit den deklarierten Einkünften. Auffälligkeiten werden priorisiert an Betriebsprüfer weitergeleitet.

Ausgehende Meldungen

Deutsche Banken melden an das BZSt, das die Daten an die Partnerländer weiterleitet. Für dich als Auswanderer heißt das: Dein neues Wohnsitzland erhält automatisch Informationen über alle Konten, die du in Deutschland führst.

Nachmeldefristen und strafbefreiende Selbstanzeige

Wenn du feststellst, dass du in der Vergangenheit ausländische Konten nicht deklariert hast, kann eine Selbstanzeige (§ 371 AO) strafbefreiend wirken — aber nur, wenn die Tat noch nicht entdeckt ist. Da CRS-Daten mit Zeitverzug eintreffen, gibt es ein Fenster. Aber es wird immer kleiner.


Ausblick: CRS 2.0 und die Zukunft des Informationsaustauschs

Die OECD arbeitet kontinuierlich an Erweiterungen des CRS:

  • CARF (2026): Erweiterung auf Krypto-Assets (siehe separater Artikel)
  • CRS 2.0 (ab 2027): Erweiterung auf elektronisches Geld, digitale Zentralbankwährungen (CBDCs), und bestimmte Finanzprodukte, die bisher nicht erfasst waren
  • Erhöhte Due-Diligence: Strengere Prüfpflichten für Banken, weniger Schlupflöcher bei der Selbstauskunft
  • Mehr Teilnehmerländer: Druck auf verbliebene Nicht-Teilnehmer wächst (OECD Peer Reviews)

Die Richtung ist eindeutig: Mehr Transparenz, mehr Daten, weniger Spielraum für Nicht-Deklaration. Wer seine internationale Steuerplanung auf "Unsichtbarkeit" aufbaut, baut auf Sand.


FAQ — Häufig gestellte Fragen zum CRS

Wird mein deutsches Konto gemeldet, wenn ich auswandere?

Ja. Sobald du deiner Bank mitteilst, dass du steuerlich im Ausland ansässig bist (oder die Bank das durch Indizien feststellt), wird dein Konto ans BZSt gemeldet — und von dort an dein neues Wohnsitzland weitergeleitet. Das gilt unabhängig von der Kontohöhe.

Kann ich CRS vermeiden, indem ich mein Konto kündige?

Technisch ja — kein Konto, keine Meldung. Aber: Wenn du ein Konto während des Jahres kündigst, wird der letzte Saldo vor Schließung gemeldet. Und ein Konto zu kündigen, nur um der Meldung zu entgehen, löst keine steuerlichen Probleme — es schafft neue (Verdachtsmomente).

Werden auch Gemeinschaftskonten gemeldet?

Ja. Bei Gemeinschaftskonten wird der gesamte Kontostand an beide Kontoinhaber gemeldet — nicht anteilig. Beide erscheinen in der CRS-Meldung.

Meldet die Schweiz auch an Deutschland?

Ja, seit 2018. Die Schweiz ist vollwertiger CRS-Teilnehmer. Das legendäre Schweizer Bankgeheimnis existiert im internationalen Kontext nicht mehr. Schweizer Banken melden an die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV), die an die Partnerländer weiterleitet.

Was passiert, wenn die gemeldeten Daten nicht mit meiner Steuererklärung übereinstimmen?

Das Finanzamt wird nachfragen — zunächst per einfachem Schreiben mit Bitte um Aufklärung. Wenn sich herausstellt, dass Einkünfte verschwiegen wurden, drohen Nachzahlungen mit Zinsen (6 % p.a.) und im schlimmsten Fall ein Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung.

Gilt CRS auch für Firmenkonten?

Ja, unter bestimmten Bedingungen. Bei "passiven" Unternehmen (z.B. Holdinggesellschaften ohne operatives Geschäft) werden die dahinterstehenden natürlichen Personen (Controlling Persons) gemeldet. Bei aktiven Unternehmen mit eigenem Geschäftsbetrieb in der Regel nicht.

Wie erfahre ich, welche Daten über mich gemeldet wurden?

In Deutschland kannst du beim BZSt eine Auskunft nach Art. 15 DSGVO anfordern. Du erfährst dann, welche Daten über dich eingegangen oder weitergeleitet wurden. In der Praxis dauert das mehrere Wochen.


Fazit: CRS ist Realität — plane mit Transparenz, nicht dagegen

Der Common Reporting Standard hat die internationale Steuerplanung grundlegend verändert. Die Zeiten, in denen ein Konto in der Schweiz oder in Singapur "unsichtbar" war, sind definitiv vorbei. Für dich als Auswanderer bedeutet das: Deine Kontenstruktur muss zu deiner Steuererklärung passen — in jedem Land, in dem du Konten führst.

Das ist keine schlechte Nachricht. Es bedeutet nur, dass du sauber planen musst. Legale Steueroptimierung funktioniert weiterhin — über DBA-Nutzung, Wahl des richtigen Wohnsitzlandes, korrekte Zuordnung von Einkünften und intelligente Vermögensstrukturierung.

Die Frage ist nicht, ob das Finanzamt deine Daten hat. Die Frage ist, ob deine Steuerplanung dem standhält.

Wenn du wissen willst, ob deine aktuelle Kontenstruktur CRS-konform ist und welche Optimierungsmöglichkeiten dir offenstehen, dann sprich mit jemandem, der das täglich für Auswanderer durchdenkt.

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Autor: Daniel Huber, MBA | Freiheitspilot Fachlicher Review: Steuerberatung (internationales Steuerrecht) Letzte Aktualisierung: Juli 2026

Dieser Artikel wurde mit größter Sorgfalt erstellt, ersetzt jedoch keine individuelle steuerliche Beratung. Steuerrecht ist komplex und ändert sich laufend — insbesondere im Bereich des internationalen Informationsaustauschs. Konsultiere für deine konkrete Situation einen spezialisierten Steuerberater.

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