12 Jahre eingezahlt — und jetzt will der Staat das Geld zurück
Du hast brav eingezahlt. Seit 2014, jeden Monat, den Mindestbeitrag, damit du die volle Zulage bekommst. 175 Euro Grundzulage pro Jahr, 300 Euro Kinderzulage für jedes Kind, obendrauf der Sonderausgabenabzug. Nach 12 Jahren stehen auf deinem Riester-Konto 38.000 Euro — davon 6.000 Euro Zulagen und gut 4.000 Euro Steuererstattungen, die du über den Sonderausgabenabzug erhalten hast.
Und jetzt planst du nach Portugal zu ziehen. Oder in die Schweiz. Oder nach Thailand.
Die Frage, die dich nachts wachhält: Muss ich das alles zurückzahlen?
Die Antwort ist — typisch deutsch — differenziert. Und sie hängt maßgeblich davon ab, wohin du gehst. EU oder Nicht-EU? Diese Unterscheidung entscheidet über tausende Euro.
Dieser Artikel erklärt dir die Regeln, die Ausnahmen und die Optionen. Damit du nicht aus Unwissenheit Geld verlierst — oder aus falscher Angst auf Geld verzichtest, das dir zusteht.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Steuerberatung dar. Riester-Verträge sind individuell — zieh vor konkreten Entscheidungen einen spezialisierten Steuerberater hinzu. Stand: Juli 2026.
TL;DR — Das Wichtigste in 60 Sekunden
- EU/EWR-Umzug: Du behältst deine Zulagen und Steuervorteile — dank EuGH-Urteil C-269/07 (2009). Keine schädliche Verwendung.
- Nicht-EU-Umzug: Schädliche Verwendung (§ 93 EStG) — alle Zulagen und Steuervorteile müssen zurückgezahlt werden. Aber: Du behältst dein eigenes Geld plus Erträge.
- Schweiz: Gilt als Drittstaat — Zulagen müssen zurück.
- Stundung möglich: Rückzahlung wird gestundet, bis du die Rente abrufst (dann Verrechnung).
- Alternativen: Wohn-Riester, Vertrag beitragsfrei stellen, vor Umzug kündigen.
- "Adresse behalten"-Trick: Steuerhinterziehung — nicht empfehlenswert.
Grundlagen: Was ist "schädliche Verwendung"?
Der Deal hinter Riester
Das Riester-System basiert auf einem einfachen Deal: Der Staat fördert deine Altersvorsorge mit Zulagen (§ 79 ff. EStG) und Steuervorteilen (§ 10a EStG). Im Gegenzug verpflichtest du dich, das Geld erst im Alter (frühestens ab 62) als Rente abzurufen — und in dieser Zeit in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig zu sein.
Wenn du diesen Deal brichst, spricht der Gesetzgeber von schädlicher Verwendung (§ 93 EStG). Die Konsequenz: Zulagen und Steuervorteile werden zurückgefordert.
Was löst "schädliche Verwendung" aus?
- Vorzeitige Kündigung des Vertrags
- Auszahlung vor dem 62. Lebensjahr (Ausnahme: Kleinbetragsrenten)
- Aufgabe der unbeschränkten Steuerpflicht in Deutschland — sprich: Auswanderung
Der letzte Punkt betrifft dich als Auswanderer direkt. Wenn du Deutschland verlässt und deine unbeschränkte Steuerpflicht endest, gilt das als schädliche Verwendung. Aber: Diese Regel wurde durch den EuGH für EU/EWR-Umzüge ausgehebelt.
EU/EWR-Umzug: Der EuGH hat entschieden
Das Urteil C-269/07 (2009) — der Game Changer
Im Jahr 2009 entschied der Europäische Gerichtshof, dass die Rückforderung von Riester-Zulagen bei Umzug innerhalb der EU gegen die Arbeitnehmerfreizügigkeit (Art. 45 AEUV) verstößt. Deutschland durfte die Zulagen nicht zurückfordern, nur weil jemand in ein anderes EU-Land zieht.
Der Gesetzgeber hat daraufhin § 95 EStG angepasst: Ein Umzug in einen EU/EWR-Staat löst keine schädliche Verwendung aus. Du behältst alle Zulagen und Steuervorteile.
Was konkret gilt bei EU/EWR-Umzug
- Zulagen: Bleiben erhalten — keine Rückforderung.
- Sonderausgabenabzug: Bleibt bestehen — keine Rückerrechnung.
- Zulageberechtigung: Du verlierst die künftige Zulageberechtigung (wenn du nicht mehr in der deutschen Rentenversicherung pflichtversichert bist). Aber die vergangenen Zulagen bleiben.
- Vertrag: Kann beitragsfrei weiterbestehen oder mit Eigenbeiträgen (ohne Zulage) fortgeführt werden.
- Auszahlung im Alter: Wird im Ausland besteuert (nach DBA) — nicht mehr in Deutschland.
EU/EWR-Länder (Überblick)
Alle EU-Mitgliedstaaten plus Island, Liechtenstein und Norwegen. Nicht: Schweiz, Großbritannien (seit Brexit).
Praxis-Beispiel: Du ziehst nach Spanien. Dein Riester-Vertrag mit 35.000 Euro (davon 5.000 Zulagen) bleibt unberührt. Mit 67 beziehst du die Riester-Rente in Spanien — Besteuerung nach spanischem Recht (DBA weist Ansässigkeitsstaat zu).
Nicht-EU-Umzug: Zulagen zurück — aber wie genau?
Was passiert konkret
Wenn du in ein Nicht-EU/EWR-Land ziehst (Schweiz, USA, Thailand, Dubai, etc.), gilt dein Wegzug als schädliche Verwendung. Die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) fordert zurück:
- Alle Zulagen (Grundzulagen + Kinderzulagen)
- Steuervorteile (Sonderausgabenabzug-Erstattungen werden verrechnet)
Was du behältst
- Deine eigenen Beiträge — das Geld, das du selbst eingezahlt hast
- Erträge/Wertsteigerungen auf dein gesamtes Kapital (inkl. Zulagen-Anteil)
- Kein "Verlust" deines Geldes — du bekommst nur nicht die staatliche Förderung behalten
Rechenbeispiel: Umzug in die Schweiz
| Position | Betrag |
|---|---|
| Eigene Beiträge (12 Jahre × 1.925 EUR) | 23.100 EUR |
| Erhaltene Zulagen (12 × 175 + 12 × 300 × 2 Kinder) | 9.300 EUR |
| Erträge auf Gesamtkapital | 5.600 EUR |
| Gesamtguthaben | 38.000 EUR |
| Rückzahlung Zulagen | -9.300 EUR |
| Rückzahlung Steuervorteil (geschätzt) | -4.200 EUR |
| Verbleibendes Guthaben | 24.500 EUR |
Du "verlierst" also 13.500 Euro staatliche Förderung. Dein eigenes Geld plus Erträge bleibt.
Wie die Rückforderung technisch abläuft
Die ZfA stellt die Rückforderung nicht sofort fällig. Stattdessen wird sie gestundet:
- Stundung bis zur Auszahlungsphase: Die Rückforderung wird mit der späteren Rentenzahlung verrechnet. Du musst nicht sofort überweisen.
- Verrechnung: Wenn du später die Rente abrufst, werden die Zulagen + Steuervorteile von deiner Rentenleistung abgezogen.
- Alternative: Du kannst die Rückforderung auch sofort begleichen und den Vertrag dann "bereinigt" beitragsfrei stellen.
Die Frage "Sofort zurückzahlen oder stunden lassen?" ist eine individuelle Rechnung — sie hängt von deiner Renditeerwartung, deinem Zeithorizont und deiner Liquidität ab. Viele unserer Klienten lassen sich das einmal durchrechnen, bevor sie entscheiden. Kostenloses Strategiegespräch buchen →
Schweiz: Der häufigste Streitfall
Warum die Schweiz KEIN EU/EWR-Staat ist
Die Schweiz hat bilaterale Abkommen mit der EU — aber sie ist kein EU-Mitglied und kein EWR-Mitglied. Für Riester-Zwecke gilt sie daher als Drittstaat. Der EuGH-Schutz greift nicht.
Das bedeutet: Umzug in die Schweiz = schädliche Verwendung = Zulagen zurück.
Sonderfall: Grenzgänger Schweiz
Wenn du als Grenzgänger in der Schweiz arbeitest, aber in Deutschland wohnst, bleibst du zulageberechtigt (weil du in der deutschen Rentenversicherung pflichtversichert bleibst oder über die Anlage KAS). Das ist kein Auswandern — du wohnst ja weiterhin in Deutschland.
Sonderfall: Kurzfristiger Aufenthalt
Wenn du nur vorübergehend in die Schweiz gehst (z.B. 2-3 Jahre Entsendung) und danach nach Deutschland zurückkehrst, kannst du argumentieren, dass du nie die unbeschränkte Steuerpflicht aufgegeben hast (Beibehaltung des Wohnsitzes). Aber Vorsicht: Das muss genuin sein — ein Scheinwohnsitz reicht nicht.
Der "Adresse behalten"-Trick: Warum das Betrug ist
Die Versuchung
Im Internet kursiert der Tipp: "Behalte einfach deine deutsche Meldeadresse und bleib formal in Deutschland gemeldet. Dann merkt keiner, dass du weg bist."
Warum das nicht funktioniert
Steuerhinterziehung: Wenn du faktisch im Ausland lebst, aber Deutschland als Wohnsitz angibst, um Riester-Zulagen zu behalten, ist das Betrug gegenüber der ZfA und potenziell Steuerhinterziehung (§ 370 AO).
Steuerliche Doppelwohnsitz-Problematik: Wenn du einen Wohnsitz in Deutschland behältst, bist du dort unbeschränkt steuerpflichtig — und musst dein gesamtes Welteinkommen in Deutschland versteuern. Das willst du als Auswanderer in der Regel nicht.
Aufdeckungsrisiko: Durch CRS-Meldungen, Sozialversicherungsmeldungen und Kontobewegungen kann das Finanzamt erkennen, wo du wirklich lebst. Das Risiko steigt jedes Jahr.
Konsequenzen: Rückforderung aller Zulagen + Steuervorteile + Zinsen + Strafverfahren. Die "Ersparnis" von ein paar tausend Euro steht in keinem Verhältnis zum Risiko.
Klare Empfehlung: Mach es sauber. Die Zulagen zurückzugeben ist ärgerlich, aber kein Weltuntergang. Steuerhinterziehung zu riskieren ist es nicht wert.
Alternativen und Optimierungsstrategien
Option 1: Wohn-Riester (Eigenheimrente)
Wenn du noch in Deutschland bist, kannst du dein Riester-Kapital für wohneigentumsbezogene Zwecke entnehmen (§ 92a EStG):
- Kauf oder Bau einer selbstgenutzten Immobilie
- Tilgung eines Immobiliendarlehens
- Altersgerechter Umbau
Vorteil: Keine schädliche Verwendung, solange du die Immobilie selbst nutzt. Aber: Wenn du die Immobilie später veräußerst oder nicht mehr selbst nutzt (z.B. weil du auswanderst), wird das Wohnförderkonto aufgelöst — und im Alter nachgelagert besteuert.
Für Auswanderer relevant: Wohn-Riester "rettet" die Zulagen nur, wenn du die Immobilie in der EU/EWR nutzt. Wenn du ins Nicht-EU-Ausland gehst und die Immobilie vermietest oder verkaufst, gilt es als schädliche Verwendung.
Option 2: Vertrag beitragsfrei stellen
Du zahlst nichts mehr ein, behältst den Vertrag aber. Das Guthaben bleibt liegen, erwirtschaftet (hoffentlich) Rendite und wird bei Rentenbeginn ausgezahlt.
- EU-Umzug: Sinnvoll — du behältst alles.
- Nicht-EU-Umzug: Die Zulagen werden trotzdem zurückgefordert (gestundet). Ob es sich lohnt, den Vertrag zu behalten, hängt von den Vertragskosten ab.
Option 3: Vertrag kündigen (vor Auswanderung)
Du kündigst den Riester-Vertrag in Deutschland — das löst ebenfalls schädliche Verwendung aus. Zulagen und Steuervorteile gehen zurück. Dein eigenes Kapital plus Erträge wird ausgezahlt.
Wann sinnvoll: Wenn die Vertragskosten hoch sind und du das Kapital anderweitig besser anlegen kannst. Die Kündigung in Deutschland hat den Vorteil, dass du die Versteuerung der Erträge noch in Deutschland abwickelst (Abgeltungssteuer auf Ertragsanteil).
Option 4: Kleinstbetragsrente auszahlen lassen
Wenn dein Riester-Guthaben eine monatliche Rente von weniger als ca. 34 Euro (2026) ergeben würde, kann der Anbieter eine Kleinbetragsrente als Einmalzahlung auszahlen (§ 93 Abs. 3 EStG). Das ist keine schädliche Verwendung — du behältst die Zulagen.
Praxis: Bei vielen alten Verträgen mit niedrigen Beiträgen liegt das Guthaben unter der Bagatellgrenze. Prüfe das.
Besteuerung der Riester-Rente im Ausland
Grundsatz: Nachgelagerte Besteuerung
Riester-Renten werden bei Auszahlung voll besteuert (§ 22 Nr. 5 EStG). Im Inland fallen Einkommensteuer + Soli + ggf. Kirchensteuer an.
Im Ausland: Wer besteuert?
- DBA mit Ansässigkeitsprinzip (Art. 18 OECD-MA): Nur dein neues Land besteuert.
- Deutschland beschränkte Steuerpflicht: In bestimmten Fällen kann Deutschland eine beschränkte Steuerpflicht geltend machen — insbesondere bei Beamtenpensionen (Art. 19) oder wenn das DBA ein Quellensteuerrecht einräumt.
- Kein DBA: Beide Länder können besteuern — Anrechnung möglich.
Praxis-Tipp: Bescheinigung vom Finanzamt
Wenn du im Ausland lebst und die Riester-Rente beziehst, kann dein Anbieter verpflichtet sein, Quellensteuer einzubehalten. Mit einer Freistellungsbescheinigung (basierend auf dem DBA) kannst du die Quellensteuer vermeiden. Beantrage diese rechtzeitig beim Finanzamt.
Großbritannien nach dem Brexit
Die spezielle Situation
Bis zum 31.12.2020 galt Großbritannien als EU-Staat — kein Problem für Riester. Seit dem 01.01.2021 ist Großbritannien ein Drittstaat.
Übergangsregelung: Für Personen, die vor dem 01.01.2021 nach Großbritannien gezogen sind und dort Riester-bestände hatten, gibt es Vertrauensschutz. Wer nach dem 01.01.2021 nach Großbritannien zieht, wird wie ein Nicht-EU-Auswanderer behandelt — schädliche Verwendung, Zulagen zurück.
Typische Fehler, die Auswanderer bei Riester machen
Fehler 1: Den Vertrag einfach "vergessen"
Viele Auswanderer kümmern sich nicht aktiv um ihren Riester-Vertrag — sie zahlen nichts mehr ein und vergessen ihn. Das Problem: Der Vertrag läuft weiter, die Kosten fressen die Rendite auf, und irgendwann kommt die ZfA mit der Rückforderung. Wer sich nicht meldet, riskiert Mahngebühren und Verzugszinsen.
Empfehlung: Aktiv handeln — Bank informieren, Ansässigkeitswechsel melden, Optionen abwägen.
Fehler 2: Zu früh kündigen ohne Rechnung
Wer seinen Riester-Vertrag kündigt, ohne vorher durchzurechnen, wie viel die Zulagen-Rückforderung tatsächlich kostet, trifft oft eine suboptimale Entscheidung. Manchmal ist es günstiger, den Vertrag beitragsfrei stehen zu lassen und die Stundung zu akzeptieren — besonders bei niedrigen Vertragskosten und noch langer Zeit bis zur Rente.
Fehler 3: Doppelten Steuervorteil "übersehen"
Der Sonderausgabenabzug wird bei schädlicher Verwendung zurückgefordert — das vergessen viele. Es geht nicht nur um die Zulagen (175 EUR + Kinderzulagen), sondern auch um den Steuervorteil, den du über die Anlage AV deiner Steuererklärung erhalten hast. Bei hohem Einkommen und langer Laufzeit kann der Steuervorteil höher sein als die Zulagen selbst.
Fehler 4: Riester als Auswanderungs-Argument überbewerten
Manche Menschen verschieben ihre Auswanderung wegen eines Riester-Vertrags mit 25.000 Euro Guthaben. Das ist selten rational. Die Zulagen-Rückforderung (vielleicht 4.000-8.000 Euro) steht in keinem Verhältnis zu den möglichen Steuerersparnissen im neuen Land. Riester ist ein Faktor — aber kein Showstopper.
Checkliste: Riester und Auswanderung
- Vertrag identifizieren: Welchen Riester-Vertrag hast du? Anbieter, Tarif, Guthaben?
- Guthaben aufschlüsseln: Wie viel sind eigene Beiträge, wie viel Zulagen, wie viel Erträge?
- Zielland bestimmen: EU/EWR oder Drittstaat?
- Zulageberechtigung prüfen: Endet deine DRV-Pflichtversicherung? Wann?
- Optionen durchrechnen: Kündigen vs. beitragsfrei stellen vs. Stundung
- Bank/Anbieter informieren: Neue Adresse, neue steuerliche Ansässigkeit
- Steuerberater konsultieren: Besonders bei hohen Guthaben und Nicht-EU-Umzug
FAQ — Häufig gestellte Fragen
Muss ich die Riester-Zulagen zurückzahlen, wenn ich nach Spanien ziehe?
Nein. Spanien ist EU-Mitglied. Ein Umzug in die EU/EWR löst keine schädliche Verwendung aus — du behältst alle Zulagen und Steuervorteile (EuGH C-269/07).
Was passiert mit meiner Riester-Kinderzulage?
Die Kinderzulage wird gleich behandelt wie die Grundzulage. Bei EU-Umzug bleibt sie erhalten. Bei Nicht-EU-Umzug wird sie zurückgefordert. Künftige Kinderzulagen erhältst du nicht mehr, wenn du nicht mehr zulageberechtigt bist.
Kann ich meinen Riester-Vertrag im Ausland weiter besparen?
Technisch ja — du kannst weiterhin Beiträge einzahlen. Aber ohne Zulageberechtigung (die du verlierst, wenn du nicht mehr in der deutschen Rentenversicherung bist) erhältst du keine staatliche Förderung mehr. Es wäre eine ungeförderte private Rentenversicherung mit oft hohen Kosten.
Ich bin im Ausland, aber noch in der deutschen Rentenversicherung — was gilt?
Wenn du trotz Auslandsaufenthalt weiterhin pflichtversichert in der deutschen Rentenversicherung bist (z.B. durch Entsendung, § 4 SGB IV), bleibst du zulageberechtigt. Dann gilt keine schädliche Verwendung — unabhängig davon, ob du in der EU oder außerhalb lebst.
Wie erfahre ich, ob ich zulageberechtigt bin?
Die ZfA (Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen) bei der DRV prüft jährlich deine Zulageberechtigung. Wenn du deinen Arbeitgeber oder die Rentenversicherung informierst, dass du ins Ausland gehst, wird die ZfA automatisch informiert.
Was ist besser: Riester kündigen oder stunden lassen?
Das hängt von deinem Vertrag ab. Bei teuren Verträgen (hohe Abschlusskosten, schlechte Rendite) kann eine Kündigung sinnvoller sein — du zahlst die Förderung zurück, bekommst aber dein Kapital und investierst es besser. Bei günstigen Verträgen (z.B. Riester-ETF-Sparpläne) kann das Stundenlassen und spätere Verrechnen wirtschaftlicher sein.
Gilt der EuGH-Schutz auch für die Schweiz?
Nein. Die Schweiz ist weder EU- noch EWR-Mitglied. Der EuGH-Schutz (C-269/07) greift nur für EU/EWR-Umzüge. Ein Umzug in die Schweiz löst schädliche Verwendung aus — Zulagen müssen zurück.
Fazit: Riester ist kein Auswanderungs-Killer — aber ein Kostenfaktor
Die Riester-Rente im Ausland ist machbar. In der EU sogar ohne Einbussen. Außerhalb der EU verlierst du die staatliche Förderung — aber nicht dein eigenes Geld. Die entscheidende Frage ist nicht "Kann ich trotz Riester auswandern?" (ja, immer), sondern "Wie minimiere ich den Verlust und optimiere die Auszahlung?"
Wer seine Auswanderung mit 12 Monaten Vorlauf plant, kann die Riester-Situation oft deutlich besser gestalten als jemand, der übers Knie bricht. Timing, Vertragswahl und DBA-Kenntnis machen den Unterschied.
Lass nicht zu, dass ein Riester-Vertrag — den du vielleicht vor 15 Jahren abgeschlossen hast — deine Auswanderungsentscheidung beeinflusst. Es geht um ein paar tausend Euro Förderung. Die steuerlichen Vorteile deines neuen Wohnsitzlandes überwiegen das in der Regel deutlich.
Aber: Mach es richtig. Informiert. Geplant.
Jetzt kostenloses Strategiegespräch buchen — wir rechnen deine Riester-Situation durch →
Autor: Daniel Huber, MBA | Freiheitspilot Fachlicher Review: Steuerberatung Letzte Aktualisierung: Juli 2026
Dieser Artikel wurde mit größter Sorgfalt erstellt, ersetzt jedoch keine individuelle steuerliche Beratung. Riester-Verträge haben individuelle Bedingungen, die den konkreten Fall beeinflussen. Konsultiere für deine Situation einen spezialisierten Steuerberater.