US-Funding

US Funding für EU-Gründer: So kommst du ran

US-Venture-Capital als EU-Gründer sichern: Delaware C-Corp, SAFE Notes, Visa-Optionen und steuerliche Strategie — der komplette Fahrplan.

US-Venture-Capital ist der größte Kapitalpool der Welt — und europäische Gründer haben Zugang. Aber nur, wenn sie die Spielregeln kennen. Hier erfährst du, wie du als DACH-Gründer US-Investoren überzeugst, welche Unternehmensstruktur du brauchst und welche steuerlichen Fallen lauern.

Du hast ein starkes Produkt, ein wachsendes Team und eine Vision, die über den deutschsprachigen Markt hinausgeht. Jetzt willst du dort Kapital einsammeln, wo die größten Schecks geschrieben werden: in den USA. Die Zahlen sprechen für sich — allein 2025 flossen 274 Milliarden US-Dollar in US-Startups, rund 64 Prozent des weltweiten Venture-Capital-Volumens (Crunchbase, 2025). Europa brachte es im gleichen Zeitraum auf 85 Milliarden Dollar — beachtlich, aber ein völlig anderes Spielfeld.

Die gute Nachricht: US-Investoren schauen längst über den Atlantik. Deutsche Startups sammelten 2025 rund 8,4 Milliarden Dollar ein, französische 8,5 Milliarden. Aber zwischen "die schauen nach Europa" und "du bekommst einen Term Sheet" liegen ein paar Entscheidungen, die du besser früher als später triffst.

Dieser Leitfaden zeigt dir den kompletten Weg — von der richtigen Unternehmensstruktur über Finanzierungsinstrumente bis zur Visa-Strategie.

Warum US-Investoren anders ticken

Bevor du deinen ersten Pitch überarbeitest, musst du verstehen, was US-VCs wirklich suchen. Denn sie bewerten europäische Startups durch eine spezifische Linse — und die meisten EU-Gründer pitchen an dieser Linse vorbei.

Das Outlier-Modell

Ein US-Venture-Fonds mit 300 Millionen Dollar unter Verwaltung braucht bei einer 10-Prozent-Beteiligung in der Series A einen glaubwürdigen Pfad zu einem Exit von mindestens 3 Milliarden Dollar. Kein "solides Geschäft mit stabilen Margen". Sondern ein Unternehmen, das extrem groß werden kann.

Das bedeutet konkret für dich:

  • Total Addressable Market (TAM): Dein TAM muss in Milliarden bemessen sein — nicht in zweistelligen Millionen
  • Skalierungsgeschwindigkeit: US-VCs erwarten aggressiveres Wachstum als europäische Investoren
  • US-Präsenz: Viele der erfolgreichsten europäischen Unicorns behielten europäische Wurzeln, bauten aber ernstzunehmende US-Operationen auf

Tempo-Unterschied

Auch die Entscheidungsgeschwindigkeit unterscheidet sich massiv. In Europa vergehen zwischen erstem Meeting und Term Sheet typischerweise 4 bis 8 Wochen. Bei den schnellsten US-Fonds sind es 2 bis 4 Wochen. Das heißt: Du musst ab dem ersten Kontakt voll vorbereitet sein — Data Room, Financials, Cap Table, alles griffbereit.

Cheque-Größen im Vergleich

Eine typische europäische Seed-Runde liegt zwischen 1 und 3 Millionen Euro. In den USA sind 3 bis 5 Millionen Dollar die Norm. Für spätere Runden wird der Unterschied noch deutlicher.

Was US-VCs an europäischen Gründern schätzen

Trotz aller Unterschiede haben DACH-Gründer auch Stärken, die US-Investoren zu schätzen wissen:

  • Technische Tiefe: Deutsche und Schweizer Ingenieure genießen weltweit einen ausgezeichneten Ruf. Deep-Tech-Startups aus Europa haben in den Bereichen KI, Climate Tech und Industrial Software starke Positionen
  • Kapitaleffizienz: Europäische Gründer bauen häufig mit weniger Kapital profitable Unternehmen — das beeindruckt US-VCs, die zunehmend auf "Efficient Growth" setzen
  • Regulatorische Kompetenz: Wer DSGVO, BaFin oder Schweizer Regulierung navigieren kann, hat einen Wettbewerbsvorteil bei regulierten Märkten wie FinTech oder HealthTech
  • Zugang zum EU-Markt: Eine europäische Präsenz mit 450 Millionen Verbrauchern ist für US-Investoren ein klarer Pluspunkt — wenn du sie als Expansionsvorteil positionierst, nicht als Einschränkung

Delaware C-Corp: Die Pflichtstruktur

Hier gibt es keine Diskussion: US-Venture-Capital-Fonds investieren fast ausschließlich in Delaware C-Corporations. Bei vielen Fonds steht das sogar in den Fondsbedingungen.

Warum gerade Delaware?

  • Rechtssicherheit: Die Anwälte der Investoren kennen Delaware-Recht. Due Diligence wird schneller und günstiger
  • Aktienklassen: Delaware erlaubt mehrere Aktienklassen — Common Stock, Founder's Stock, verschiedene Klassen von Preferred Stock. Genau das, was VCs brauchen
  • SAFE-Kompatibilität: Die Standard-Finanzierungsinstrumente (SAFEs, Convertible Notes, Option Pools) funktionieren in einer C-Corp sauber und ohne rechtliche Verrenkungen

Zwei Wege zur Delaware C-Corp

Weg 1: Direkt gründen Wenn du weißt, dass du US-Kapital einsammeln willst, gründe direkt als Delaware C-Corp. Das funktioniert auch als Nicht-US-Bürger und ohne US-Wohnsitz. Für operative Tätigkeiten in Deutschland oder der Schweiz gründest du lokale Tochtergesellschaften. Besonders für SaaS-Gründer ist das inzwischen der Standardweg.

Weg 2: Delaware Flip Du hast bereits eine GmbH, AG oder GmbH & Co. KG? Dann brauchst du einen "Delaware Flip" — eine rechtliche Umstrukturierung, bei der deine bestehende Gesellschaft zur Tochter einer neuen Delaware C-Corp wird.

Ideales Timing für den Flip:

  • Pre-Revenue oder frühe Revenue-Phase (unter 500.000 Dollar ARR)
  • Einfacher Cap Table (nur Gründer, vielleicht 1-2 Angels)
  • 6 bis 12 Monate vor der geplanten VC-Runde
  • Bevor du viele Mitarbeitende in der ausländischen Entität eingestellt hast

Nicht flippen während: einer laufenden Fundraise (VCs warten keine 3-6 Monate), bei komplexen Multi-Länder-Operationen, oder bei offenen steuerlichen oder regulatorischen Themen.

Die 83(b) Election — nicht verhandelbar

Jeder Gründer, der Restricted Stock mit Vesting erhält, muss innerhalb von 30 Tagen eine 83(b) Election beim IRS einreichen. Verpasst du diese Frist, droht später eine massive Steuerrechnung. Es gibt keine Nachfrist, keine Ausnahme, keine Gnade. Das ist der häufigste teure Fehler internationaler Gründer.

Laufende Kosten und Compliance

  • Annual Report + Franchise Tax: Fällig bis zum 1. März jedes Jahres. Kleine Startups zahlen oft nur den Mindestbetrag von wenigen hundert Dollar
  • Federal Corporate Tax: 21 Prozent auf Gewinne. Wenn die Firma keinen Umsatz in Delaware macht, fällt dort typischerweise keine State Income Tax an
  • QSBS-Vorteil (seit Juli 2025): Die Obergrenze für steuerbefreite Veräußerungsgewinne wurde auf 15 Millionen Dollar oder das 10-Fache der Anschaffungskosten angehoben, die Unternehmensobergrenze auf 75 Millionen Dollar Bruttovermögen. Das macht die C-Corp für US-Investoren noch attraktiver

Finanzierungsinstrumente: SAFE vs. Convertible Note

Sobald deine Delaware C-Corp steht, brauchst du das richtige Instrument für die erste Kapitalrunde.

SAFE (Simple Agreement for Future Equity)

Das SAFE wurde 2013 von Y Combinator eingeführt und ist heute das Standard-Instrument für Pre-Seed und Seed-Runden in den USA. Laut Carta-Daten (Q1 2025) entfallen 90 Prozent der Pre-Seed-Deals und 64 Prozent der Seed-Deals auf SAFEs.

So funktioniert es: Du nimmst heute Kapital auf, im Gegenzug bekommt der Investor das Recht auf Eigenkapital bei der nächsten "Priced Round" (also wenn ein Lead-Investor eine Bewertung festlegt). Es gibt keinen Zinssatz, keine Laufzeit, keine feste Bewertung.

Post-Money SAFE (aktueller Standard seit 2018): Die Post-Money-Variante ist der klare Marktstandard — 81 Prozent aller SAFE-Deals nutzen sie (Carta, 2025). Vorteil: Sowohl Gründer als auch Investor wissen sofort und präzise, wie viel Eigenkapital verkauft wurde.

Typische Valuation Caps (2024-2026):

  • Pre-Seed: 5 bis 15 Millionen Dollar
  • Seed: 12 bis 30 Millionen Dollar
  • YC-Companies: 10 bis 20 Millionen Dollar Post-Money

Die vier SAFE-Varianten

YC bietet aktuell vier Standard-Varianten:

  1. Valuation Cap Only: Der Standard — du setzt eine Obergrenze für die Bewertung, zu der das SAFE konvertiert. Der Investor bekommt garantiert mindestens X Prozent, egal wie hoch die Bewertung bei der nächsten Runde ist
  2. Discount Only: Statt einer Bewertungsobergrenze bekommt der Investor einen prozentualen Rabatt auf den Preis der nächsten Runde (typischerweise 15-25 Prozent)
  3. MFN (Most Favored Nation): Ein uncapped SAFE mit der Zusicherung, dass der Investor die besten Konditionen späterer SAFEs übernehmen darf. YC nutzt diese Variante für die 375.000-Dollar-Tranche ihres Standard-Deals
  4. Pro-Rata Side Letter: Optionaler Zusatz, der dem Investor das Recht gibt, seinen Anteil in Folgerunden anteilig aufzustocken

Convertible Note

Die Convertible Note ist ein Darlehen, das bei einem Trigger-Event (typischerweise die nächste Finanzierungsrunde) in Eigenkapital umgewandelt wird. Inklusive Zinsen und Laufzeit.

Wann sinnvoll: Bei europäischen Angels, die mit SAFEs nicht vertraut sind, oder wenn rechtliche Anforderungen deines Heimatlandes ein Schuldinstrument einfacher machen.

Wichtiger Unterschied: Im Gegensatz zum SAFE ist die Convertible Note ein Schuldinstrument — sie schafft eine rechtliche Verpflichtung zur Rückzahlung von Kapital und Zinsen. Wenn kein Conversion-Event eintritt (z.B. weil keine nächste Finanzierungsrunde kommt), kann der Investor theoretisch sein Geld zurückfordern. Beim SAFE gibt es diese Verpflichtung nicht.

Die Cap-Stacking-Falle

Der häufigste Fehler in der Praxis: Gründer unterzeichnen drei oder vier SAFEs über 18 Monate mit steigenden Caps — und stellen bei der Series-A-Due-Diligence fest, dass bereits 35 bis 45 Prozent an SAFE-Halter gebunden sind, bevor der neue Lead-Investor überhaupt sein Modell aufgestellt hat.

Die Lösung: Modelliere den Cap Table nach jedem SAFE, nicht erst bei der Priced Round.

Accelerator: YC, Techstars und Alternativen

Der schnellste Weg für europäische Gründer in das US-Ökosystem ist ein Top-Accelerator.

Y Combinator (YC)

Das Maß aller Dinge. YCs aktuelles Standard-Deal: 500.000 Dollar, aufgeteilt in ein Post-Money SAFE über 125.000 Dollar für 7 Prozent Equity plus ein uncapped MFN SAFE über 375.000 Dollar. Dazu kommt ein 12-wöchiges Intensivprogramm in San Francisco und Zugang zu einem unvergleichlichen Alumni-Netzwerk.

Für EU-Gründer besonders relevant: YC akzeptiert internationale Bewerber und ist explizit an europäischem Talent interessiert. Allerdings erwartet YC in der Regel, dass Gründer während des Programms in den USA sind.

Techstars und weitere

  • Techstars: Mehrere Standorte weltweit, branchenspezifische Programme, typischerweise 120.000 Dollar für 6 Prozent Equity
  • 500 Global: Starker Fokus auf internationale Gründer
  • Antler: Europäische Wurzeln, aber mit zunehmendem US-Fokus

Bewerbungsstrategie für DACH-Gründer

Die Akzeptanzraten bei Top-Acceleratoren sind extrem niedrig — bei YC unter 2 Prozent. Was deine Chancen erhöht:

  • Traction zeigt mehr als Ideen: Revenue, Nutzer oder Letter of Intent von Kunden zählen mehr als das eleganteste Pitch Deck
  • Technische Co-Founder: Acceleratoren bevorzugen Teams, die selbst bauen können — nicht solche, die erst Entwickler suchen müssen
  • Klarer US-Market-Fit: Erkläre, warum dein Produkt auf dem US-Markt funktioniert, nicht nur, warum es generell gut ist
  • Video-Bewerbung ernst nehmen: Bei YC ist das 1-Minuten-Video oft entscheidender als der schriftliche Antrag

Warum Accelerator für die Visa-Strategie wichtig sind

Die Teilnahme an einem anerkannten Accelerator zählt als Evidenz für O-1A-Visa-Anträge. Das allein kann den Unterschied zwischen Bewilligung und Ablehnung ausmachen.

Visa-Optionen: Legal in den USA aufbauen

Du brauchst nicht zwingend in den USA zu leben, um US-Funding zu bekommen. Aber eine physische Präsenz — zumindest zeitweise — macht es deutlich einfacher. Und spätestens wenn du US-Kunden bedienst, brauchst du eine legale Basis.

O-1A Visum (Extraordinary Ability)

Seit einer wichtigen Policy-Änderung im Januar 2025 (USCIS Policy Alert PA-2025-02) ist das O-1A der bevorzugte Weg für Gründer. USCIS hat explizit bestätigt, dass ein Gründer seine eigene Firma als Petitioner nutzen kann — solange echte Corporate-Governance-Strukturen existieren.

Was zählt als Evidenz (mindestens 3 von 8 Kriterien):

  • Venture Funding von anerkannten Fonds
  • Accelerator-Teilnahme (YC, Techstars)
  • Medienberichterstattung über dich oder dein Startup
  • Awards oder Auszeichnungen
  • Beratende oder bewertende Rollen (z.B. Jury bei Startup-Wettbewerben)
  • Publikationen oder Patente

Vorteile: Keine Länderbeschränkung, kein Jahres-Limit, keine Lotterie. Bearbeitungszeit 2-6 Monate (15 Werktage mit Premium Processing). Erstbewilligung bis zu 3 Jahre, seit Januar 2025 sind 3-Jahres-Verlängerungen möglich.

E-2 Treaty Investor Visa

Für Gründer aus DACH-Ländern (alle drei haben E-2-Verträge mit den USA) besonders relevant. Du investierst eigenes Kapital in dein US-Unternehmen — mindestens 100.000 bis 150.000 Dollar in der Praxis — und erhältst ein Arbeitsvisum.

Vorteile: Schnelle Bearbeitung, erneuerbar, Ehepartner erhält Arbeitserlaubnis, du behältst operative Kontrolle.

Wichtig: Du musst nachweisen, dass dein Unternehmen mehr als nur deinen eigenen Lebensunterhalt sichert — Jobcreation oder signifikante Umsätze sind notwendig. Das Kapital muss zudem "at risk" und unwiderruflich eingesetzt sein — eine bloße Einzahlung auf ein Konto reicht nicht.

Volumen: Im Fiskaljahr 2024 wurden 54.364 E-2-Visa ausgestellt — eines der höchsten Volumina aller Zeiten. Das zeigt: Dieses Visum wird aktiv genutzt.

H-1B: Für Gründer kaum noch relevant

Seit September 2025 liegen die H-1B-Gebühren für Personen außerhalb der USA bei 100.000 Dollar pro Petition. Für bootstrapping-Gründer finanziell nicht tragbar.

Langfristige Green-Card-Strategie

Das O-1A ist eine Brücke, kein Endziel. Viele Gründer wechseln später auf eine Green Card über EB-1A (Extraordinary Ability) oder EB-2 NIW (National Interest Waiver). Beim EB-2 NIW kannst du dich selbst sponsern — ohne Arbeitgeber und ohne Labor Certification.

Steuerliche Implikationen — Hier wird es komplex

Das ist der Abschnitt, den die meisten Gründer zu spät lesen. Und der am teuersten werden kann.

Doppelbesteuerung vermeiden

Deutschland, Österreich und die Schweiz haben alle Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) mit den USA. Aber die Abkommen schützen dich nur, wenn du sie richtig anwendest.

Kernfrage: Wo bist du steuerlich ansässig? Wenn du in den USA lebst und arbeitest, wirst du dort steuerpflichtig — potenziell auf dein weltweites Einkommen. Gleichzeitig kann Deutschland dich als "beschränkt steuerpflichtig" weiter besteuern, wenn du dort noch Einkünfte hast.

Wegzugsbesteuerung

Wenn du Deutschland verlässt und Anteile an einer Kapitalgesellschaft hast, kann die Wegzugsbesteuerung greifen. Der Staat tut so, als hättest du am Tag der Auswanderung alle Anteile verkauft — und besteuert den fiktiven Gewinn.

Seit Januar 2025 neu: Auch ETFs und Fonds können unter die Wegzugsbesteuerung fallen — allerdings erst ab 500.000 Euro Anschaffungskosten pro einzelnem ETF oder bei mehr als 1 Prozent Beteiligung.

Equity Compensation und US-Steuern

Wenn du als Gründer Stock Options oder Restricted Stock erhältst:

  • 83(b) Election: Wie erwähnt — innerhalb von 30 Tagen einreichen
  • QSBS-Befreiung: Bei Anteilen, die nach Juli 2025 ausgegeben werden, greift die gestufte Befreiung (50% nach 3 Jahren, 75% nach 4, 100% nach 5 Jahren Haltedauer)
  • Transfer Pricing: Wenn deine Delaware C-Corp eine europäische Tochter hat, müssen die konzerninternen Verrechnungspreise marktgerecht sein

US-Bankkonto und Finanzen

Für die Delaware C-Corp brauchst du ein US-Bankkonto. Die bekanntesten Optionen für internationale Gründer:

  • Mercury: Die beliebteste Bank für Startups. Komplett digitale Kontoeröffnung, keine Mindesteinlage, gute Integration mit Buchhaltungssoftware. Akzeptiert Nicht-US-Residenten mit einer Delaware C-Corp
  • Relay: Ähnlich wie Mercury, besonders für frühe Startups geeignet
  • Silicon Valley Bank (SVB): Für Startups mit Funding — ab Series A oft die erste Wahl, aber höherer Einstieg

Wichtig: Eröffne das US-Bankkonto möglichst früh. Der Prozess kann 2 bis 4 Wochen dauern, und ohne Konto kannst du kein Funding annehmen.

CRS-Meldungen

Der Common Reporting Standard (CRS) sorgt dafür, dass über 115 Länder automatisch Finanzdaten austauschen. Wenn du ein US-Konto hast und in einem DACH-Land steuerlich ansässig bist, weiß dein Finanzamt Bescheid. Die USA nehmen zwar nicht am CRS teil, haben aber mit FATCA ein eigenes System, das ausländische Banken verpflichtet, US-Kontoinhaber zu melden.

YMYL-Hinweis: Steuerliche Strukturierungen bei der Gründung einer Delaware C-Corp und bei grenzüberschreitenden Unternehmensstrukturen sind hochkomplex und individuell. Lass dich zwingend von einem Steuerberater mit US-DACH-Expertise beraten — fehlerhafte Strukturen können fünf- bis sechsstellige Nachzahlungen verursachen.

Ehrlicher Realitätscheck

Jetzt kommt der Teil, den dir die meisten "So bekommst du US-Funding"-Artikel verschweigen.

Die Zahlen sind brutal: Von tausenden europäischen Startups, die jährlich versuchen, US-Kapital einzusammeln, schaffen es nur wenige Prozent. Ein großartiges Produkt reicht nicht — du brauchst die richtige Struktur, die richtigen Kontakte und einen US-Track-Record.

Die Kosten werden unterschätzt: Delaware-Gründung, US-Steuerberater, Anwalt für Visa und Corporate Law, US-Bankkonto, regelmäßige Reisen — rechne mit 30.000 bis 80.000 Dollar Vorlauf-Investition, bevor du überhaupt den ersten Cent Funding siehst.

US-Präsenz ist kein Nice-to-have: Viele US-VCs investieren nicht in Gründer, die sie nicht persönlich getroffen haben. Ein "Remote from Berlin"-Pitch funktioniert selten für die erste Runde.

Kulturschock im Pitching: In DACH-Ländern punktest du mit Gründlichkeit und konservativen Projektionen. In den USA werden ambitionierte Visionen und große Zahlen erwartet — Bescheidenheit wird als mangelndes Selbstvertrauen interpretiert.

Bürokratie-Marathon: 73 Prozent der internationalen Gründer machen laut Praxisdaten kritische Inkorporationsfehler, die erst 12 bis 18 Monate später auftauchen — meistens während der Funding-Due-Diligence oder bei großen Kundenverpflichtungen.

Die Equity-Falle: Eine schlechte Unternehmensstruktur kann bei der Umstrukturierung zu 20 bis 30 Prozent Equity-Dilution führen. Gründer haben Millionenwerte verloren, weil sie Tochtergesellschaftsbeziehungen entwirren, IP-Assignments reparieren oder Cap Tables restrukturieren mussten.

Dein Fahrplan in 8 Schritten

  1. Marktvalidierung prüfen: Hast du US-Kunden oder klares US-Potenzial? Ohne US-Markt-Story macht US-Funding keinen Sinn
  2. Delaware C-Corp gründen oder Flip planen: Mindestens 6-12 Monate vor der Fundraise
  3. US-Steuerberater und Anwalt engagieren: Nicht optional, nicht später — jetzt
  4. Cap Table aufsetzen: Option Pool (10-20%), saubere Founder-Agreements, 83(b) Election
  5. Accelerator bewerben: YC, Techstars oder vergleichbare Programme als Sprungbrett
  6. Visa-Strategie festlegen: O-1A aufbauen (Evidenz sammeln) oder E-2 vorbereiten
  7. Fundraise vorbereiten: Post-Money SAFE, realistische Valuation Cap, pitch-fertiges Deck
  8. US-Präsenz aufbauen: Mindestens 3 Monate vor Ort in einem relevanten Hub (SF, NYC, Austin)

Häufige Fragen (FAQ)

Brauche ich einen US-Wohnsitz, um eine Delaware C-Corp zu gründen? Nein. Du kannst als Nicht-US-Bürger ohne Wohnsitz in den USA eine Delaware C-Corp gründen. Die Gründung kann komplett remote erfolgen. Für die laufende Verwaltung brauchst du einen Registered Agent in Delaware.

Kann ich meine deutsche GmbH behalten und trotzdem US-Funding bekommen? Technisch ja, aber es wird extrem schwierig. Die meisten US-VCs können oder wollen nicht in eine GmbH investieren. Der übliche Weg ist ein Delaware Flip, bei dem die GmbH zur Tochter einer neuen Delaware C-Corp wird.

Wie lange dauert es realistisch vom Entschluss bis zum ersten Funding? Plane 12 bis 18 Monate. Davon 2-3 Monate für die Unternehmensstruktur, 3-6 Monate für Accelerator-Bewerbung und -Programm, und 3-6 Monate für die aktive Fundraise.

Was kostet eine Delaware C-Corp im Unterhalt? Minimal: Delaware Franchise Tax (wenige hundert Dollar jährlich), Registered Agent (100-300 Dollar jährlich), US-Steuererklärung (2.000-5.000 Dollar jährlich mit einem spezialisierten Steuerberater). Insgesamt 3.000 bis 6.000 Dollar pro Jahr.

Muss ich mich in Deutschland abmelden, wenn ich in die USA gehe? Nicht zwingend für die Gründung. Aber wenn du dich in den USA niederleasst und dort steuerlich ansässig wirst, solltest du die Abmeldung und ihre steuerlichen Konsequenzen (insbesondere Wegzugsbesteuerung) mit deinem Steuerberater besprechen.

Dein nächster Schritt

Du spielst mit dem Gedanken, als EU-Gründer in den US-Markt einzusteigen und US-Kapital einzusammeln? Dann fang nicht mit dem Pitch Deck an — sondern mit der Struktur. Die Entscheidungen, die du heute bei der Unternehmensform, der Visa-Strategie und der steuerlichen Planung triffst, bestimmen, ob dein Funding-Prozess in 12 Monaten reibungslos läuft oder in teuren Nachbesserungen endet.

Bei Freiheitspilot begleiten wir DACH-Gründer auf dem Weg in die USA — von der strategischen Standortwahl über die Unternehmensstruktur bis zur steuerlichen Optimierung. Nicht mit Vorlagen von der Stange, sondern mit individueller Beratung, die deine Situation, dein Geschäftsmodell und deine Ziele berücksichtigt.

Du springst nicht blind — du landest sicher.


Quellen:

  • Crunchbase: European Venture Funding Report (2025)
  • Carta: State of Private Markets, Q1 2025 — SAFE-Daten und Valuation Caps
  • USCIS Policy Alert PA-2025-02: O-1A Self-Petitioning für Gründer (Januar 2025)
  • Y Combinator: Safe Financing Documents und User Guide (2026)
  • IRS: Internal Revenue Code Section 83(b) — 83(b) Election Requirements
  • Delaware Division of Corporations: Annual Report and Franchise Tax (2026)

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