Remittance Base Taxation — das Überweisungsprinzip — bedeutet: Auslandseinkommen wird erst besteuert, wenn du es ins Land bringst. Für Auswanderer und Unternehmer kann das eine massive Steuerersparnis bedeuten. Aber die Landschaft hat sich seit 2025 radikal verändert.
Du hast dein Unternehmen digital aufgebaut, deine Kunden sitzen in Europa, du lebst im Ausland. Das Geld fließt auf ein Offshore-Konto. Die Frage, die alles entscheidet: Wann und wo wird dieses Einkommen besteuert?
In Deutschland ist die Antwort einfach und schmerzhaft — sofort und vollständig. Das Welteinkommensprinzip greift: Egal wo auf der Welt du Geld verdienst, der deutsche Fiskus will seinen Anteil. Aber es gibt ein drittes Steuersystem neben dem Welteinkommens- und dem Territorialprinzip, das viele DACH-Auswanderer nicht auf dem Schirm haben: die Remittance Base Taxation.
Dieses Prinzip sagt: Dein Auslandseinkommen wird erst besteuert, wenn du es in dein Wohnsitzland überweist — oder dort in irgendeiner Form nutzt. Was offshore bleibt, bleibt steuerfrei. Es klingt fast zu gut, um wahr zu sein. Und tatsächlich hat das bekannteste Remittance-System der Welt — der britische Non-Dom-Status — im April 2025 aufgehört zu existieren. Aber das Prinzip selbst lebt weiter, an mehreren Standorten in Europa und darüber hinaus.
In diesem Artikel erfährst du, wie Remittance Base Taxation konkret funktioniert, wo sie noch verfügbar ist, welche Gestaltungsmöglichkeiten du hast — und welche Risiken du unbedingt kennen musst.
YMYL-Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information über internationale Steuersysteme. Er ersetzt keine individuelle Steuerberatung. Lass deine persönliche Situation immer von einem auf internationales Steuerrecht spezialisierten Berater prüfen, bevor du Entscheidungen triffst.
Was ist Remittance Base Taxation — und wie funktioniert sie?
Das Wort „Remittance" kommt aus dem Englischen und bedeutet schlicht: Überweisung. Im steuerlichen Kontext beschreibt Remittance Base Taxation (auch: Remittance Basis of Taxation oder Überweisungsprinzip) ein System, bei dem dein im Ausland erzieltes Einkommen erst dann der Besteuerung in deinem Wohnsitzland unterliegt, wenn du es dorthin überweist oder dort nutzt.
Die drei großen Steuersysteme im Vergleich
Um Remittance Base Taxation richtig einzuordnen, musst du die drei grundlegenden Besteuerungsprinzipien verstehen:
| System | Prinzip | Wann wird besteuert? | Beispiel-Länder |
|---|---|---|---|
| Welteinkommensprinzip | Alle Einkünfte weltweit werden besteuert | Sofort bei Entstehung, egal wo | Deutschland, Österreich, Frankreich |
| Territorialprinzip | Nur Inlandseinkünfte werden besteuert | Nur wenn im Land entstanden | Panama, Paraguay, Hongkong |
| Remittance-Prinzip | Auslandseinkommen wird besteuert, wenn überwiesen | Erst bei Zufluss ins Wohnsitzland | Malta, Irland, (UK bis April 2025) |
Der entscheidende Unterschied zur Territorialbesteuerung: Beim Territorialprinzip ist Auslandseinkommen grundsätzlich steuerfrei — egal ob du es ins Land bringst oder nicht. Beim Remittance-Prinzip hängt die Besteuerung davon ab, ob und wann du das Geld ins Land transferierst.
Das schafft einen Hebel, den die Territorialbesteuerung nicht bietet: Du kannst den Zeitpunkt der Besteuerung steuern. Und in bestimmten Konstellationen kannst du Einkommen jahrelang offshore wachsen lassen, ohne dass es besteuert wird.
Für einen detaillierten Vergleich mit dem Territorialprinzip — inklusive Länderübersicht und Fallbeispielen — lies unseren Artikel zur Territorialbesteuerung.
Was zählt als „Remittance"?
Hier wird es wichtig — und gefährlich, wenn du es nicht verstehst. Eine Remittance ist nicht nur eine klassische Banküberweisung. Steuerbehörden definieren den Begriff bewusst breit. Als Remittance gilt in den meisten Jurisdiktionen:
- Direkte Überweisungen auf ein Bankkonto im Wohnsitzland
- Kreditkartenzahlungen, die mit ausländischem Einkommen beglichen werden
- Immobilienkäufe im Wohnsitzland, finanziert aus ausländischen Mitteln
- Sachleistungen — etwa wenn du dir einen im Ausland gekauften Luxuswagen ins Wohnsitzland liefern lässt
- Indirekte Nutzung — wenn Dritte (Ehepartner, Kinder, Geschäftspartner) ausländisches Einkommen im Wohnsitzland einsetzen
- Tilgung von Schulden im Wohnsitzland mit Offshore-Geldern
Die Kernregel lautet: Sobald ausländisches Einkommen in irgendeiner Form im Wohnsitzland ankommt, genutzt wird oder dir dort einen Vorteil verschafft, liegt eine steuerlich relevante Remittance vor.
Die Länder mit Remittance Base Taxation: Wer bietet es noch an?
Nach der Abschaffung des britischen Non-Dom-Status im April 2025 hat sich die Landschaft deutlich verändert. Hier ist der aktuelle Stand — Land für Land.
Malta: Der stärkste Remittance-Standort in der EU
Malta ist 2026 der attraktivste Remittance-Standort in Europa. Das System ist robust, transparent und — im Gegensatz zum ehemaligen UK-Regime — zeitlich unbegrenzt.
So funktioniert es: Wer in Malta steuerlich ansässig ist, aber dort nicht domiziliert (also kein gebürtiger Malteser und ohne maltesische Domizil-Absicht), wird nach dem Remittance-Prinzip besteuert. Das bedeutet:
- Malta-Quelleneinkommen: Normal besteuert (progressive Sätze, 0–35 %)
- Auslandseinkommen, das nach Malta überwiesen wird: Besteuert mit progressiven Sätzen
- Auslandseinkommen, das nicht nach Malta überwiesen wird: Steuerfrei
- Ausländische Kapitalgewinne: Steuerfrei — selbst wenn sie nach Malta überwiesen werden
Dieser letzte Punkt ist der Gamechanger. Malta besteuert ausländische Kapitalgewinne nicht — auch dann nicht, wenn du sie ins Land bringst. Das unterscheidet Malta von allen anderen Remittance-Jurisdiktionen. Wenn du also Anteile an einer ausländischen Gesellschaft verkaufst, Kryptowährungen realisierst oder ein Offshore-Portfolio liquidierst, bleibt der Gewinn in Malta steuerfrei.
Mindeststeuer: Für Non-Doms mit Auslandseinkommen gilt eine Mindeststeuer von 5.000 EUR pro Jahr (für Ehepaare bei einem Gesamtauslandseinkommen unter 35.000 EUR). Alternativ bietet das Global Residence Programme einen Pauschalsteuersatz von 15 % auf nach Malta überwiesenes Auslandseinkommen — bei einer Mindeststeuer von 15.000 EUR jährlich.
Keine zeitliche Begrenzung: Anders als in Großbritannien gibt es in Malta keine Deemed-Domicile-Regeln. Du kannst das Remittance-Prinzip zeitlich unbegrenzt nutzen — solange du dein Domizil nicht nach Malta verlegst (Saffery, 2025; Mondaq, 2026).
Keine Erbschaftsteuer, keine Schenkungsteuer, keine Vermögensteuer — Malta erhebt keine dieser Steuern.
Irland: Remittance Basis ohne Zeitlimit — aber mit neuer Obergrenze
Irland bietet ein Remittance-System, das dem britischen historisch ähnlich ist — allerdings ohne die strengen Deemed-Domicile-Regeln, die das UK-System zunehmend unattraktiv gemacht hatten.
So funktioniert es: Wer in Irland steuerlich ansässig, aber nicht dort domiziliert ist, kann die Remittance Basis nutzen. Ausländisches Einkommen und Kapitalgewinne werden nur besteuert, wenn sie nach Irland überwiesen werden.
Steuersätze bei Remittance: Die irischen Steuersätze sind vergleichsweise hoch. Einkommen bis 44.000 EUR wird mit 20 % besteuert, darüber mit 40 %. Dazu kommen USC (Universal Social Charge, 0,5–8 %) und PRSI (4 %). Die effektive Spitzenbelastung kann 52 % erreichen — auf die Beträge, die du tatsächlich nach Irland überweist.
Keine zusätzlichen Gebühren: Im Gegensatz zum ehemaligen UK-System verlangt Irland keine jährliche Gebühr für die Nutzung der Remittance Basis. Es gibt auch keine automatischen Deemed-Domicile-Regeln nach einer bestimmten Aufenthaltsdauer.
Neue Deemed-Remittance-Regel (seit 2024): Irland hat jedoch nachgeschärft. Seit 2024 gilt für langfristige Non-Doms (nach 15 Jahren irischer Ansässigkeit) eine sogenannte Deemed Remittance Charge: Bei ausländischem Einkommen über 1 Million EUR pro Jahr kann eine jährliche Abgabe von 200.000 EUR fällig werden — unabhängig davon, ob das Geld tatsächlich nach Irland fließt. Das betrifft vor allem Hochvermögende und ist ein klares Signal, dass Irland das Modell zwar beibehält, aber für Superreiche begrenzt (NathanTrust, 2025; Revenue.ie, 2025).
Kapitalertragsteuer: 33 % auf Gewinne, die nach Irland überwiesen werden. Auf nicht überwiesene Gewinne: null.
UK: Das Ende einer 200-jährigen Ära (April 2025)
Das Vereinigte Königreich betrieb das berühmteste Remittance-System der Welt — den Non-Dom-Status. Über 200 Jahre lang konnten UK-Einwohner ohne britisches Domizil ihre ausländischen Einkünfte steuerfrei halten, solange sie nicht nach Großbritannien überwiesen wurden.
Was sich geändert hat: Seit dem 6. April 2025 ist die Remittance Basis für neue Einkünfte abgeschafft. An ihre Stelle tritt das FIG-Regime (Foreign Income and Gains):
- 4-Jahres-Fenster: Wer nach dem 6. April 2025 erstmals nach Großbritannien zieht und in den vorherigen 10 Jahren nicht UK-resident war, kann vier Jahre lang ausländische Einkünfte und Gewinne steuerfrei beziehen — auch bei Überweisung nach UK
- Nach 4 Jahren: Volle Besteuerung nach dem Welteinkommensprinzip
- Altbestände: Für vor April 2025 entstandenes, nicht überwiesenes Einkommen gilt eine Temporary Repatriation Facility (TRF): 12 % Steuer in 2025/26 und 2026/27, dann 15 % in 2027/28
Erbschaftsteuer: Ebenfalls reformiert — von domizilbasiert auf residenzbasiert. Nicht-UK-Vermögen unterliegt der britischen Erbschaftsteuer erst nach 10 Jahren UK-Ansässigkeit in den letzten 20 Jahren (Norton Rose Fulbright, 2025; HaysMac, 2025).
Warum das wichtig ist: Die UK-Abschaffung hat eine Wanderungsbewegung vermögender Non-Doms nach Malta, Zypern, Italien und in die VAE ausgelöst. Schätzungen zufolge haben allein 2024/25 mehrere Tausend britische Non-Doms das Land verlassen.
Thailand: Vom Remittance-Paradies zum Steuer-Minenfeld
Thailand war bis Ende 2023 ein beliebtes Remittance-Land — mit einer besonders großzügigen Regel: Auslandseinkommen war steuerfrei, solange es nicht im gleichen Kalenderjahr nach Thailand überwiesen wurde. Wer ein Jahr wartete, konnte alles steuerfrei einführen.
Die Änderung seit Januar 2024: Seit dem 1. Januar 2024 besteuert Thailand ausländisches Einkommen, das von Steuerresidenten (183+ Tage pro Jahr) ins Land gebracht wird — unabhängig davon, wann es verdient wurde. Die progressiven Steuersätze reichen von 5 % bis 35 %.
Wichtige Ausnahme: Einkommen, das vor dem 1. Januar 2024 verdient wurde, bleibt von der Neuregelung unberührt. Altersparnisse können weiterhin steuerfrei nach Thailand überwiesen werden — vorausgesetzt, du kannst die Herkunft sauber dokumentieren.
Geplante Erleichterung (Stand 2025): Das thailändische Revenue Department hat im Juni 2025 eine zweijährige Karenzzeit vorgeschlagen: Auslandseinkommen, das innerhalb von zwei Kalenderjahren nach Entstehung nach Thailand überwiesen wird, soll steuerfrei bleiben. Dieser Vorschlag ist jedoch bislang nicht in Kraft getreten. Angesichts der politischen Instabilität in Thailand (Regierungswechsel 2025) ist unklar, ob und wann er umgesetzt wird (ExpatTaxThailand, 2026; Wise Equity Legal, 2025).
Doppelbesteuerungsabkommen: Thailand hat mit 61 Ländern DBAs abgeschlossen — darunter Deutschland und Österreich. Eine Anrechnung der im Ausland gezahlten Steuer ist möglich.
Weitere Remittance-Jurisdiktionen
Neben den Hauptakteuren gibt es weitere Länder, die Varianten des Remittance-Prinzips anwenden:
- Zypern: Kein klassisches Remittance-System, sondern eine echte Befreiung von der Special Defence Contribution (SDC) auf Dividenden und Zinsen für Non-Doms — bis zu 17 Jahre. Details findest du in unserem Artikel zum Non-Dom-Status in Europa.
- Griechenland: Pauschales Non-Dom-Regime mit 100.000 EUR Jahressteuer (plus 20.000 EUR pro Familienmitglied) — für 15 Jahre. Kein Remittance-Prinzip, sondern Pauschalbesteuerung.
- Italien: Ähnliches Modell wie Griechenland — 200.000 EUR Pauschalsteuer pro Jahr für 15 Jahre, seit 2024 verdoppelt von vorher 100.000 EUR.
Gestaltungsmöglichkeiten: So nutzt du das Remittance-Prinzip strategisch
Wenn du in einem Remittance-Land lebst, hast du einen entscheidenden Hebel, den die meisten anderen Steuersysteme nicht bieten: Du bestimmst den Zeitpunkt der Besteuerung.
Offshore-Strukturierung
Der Klassiker: Du hältst dein Auslandseinkommen auf Bankkonten oder in Portfolios außerhalb deines Wohnsitzlandes. Gewinne werden reinvestiert, ohne dass Steuer anfällt. Erst wenn du Geld ins Wohnsitzland überweist, wird es relevant.
Beispiel: Du lebst in Malta und betreibst eine estnische Firma. Die Gewinne verbleiben in Estland oder werden auf ein Singapur-Konto ausgezahlt. Solange nichts davon Malta erreicht, fallen null Euro Steuern an. Kapitalgewinne aus dem Verkauf der estnischen Firma wären in Malta sogar bei Überweisung steuerfrei.
Trennung von Konten und Geldflüssen
Eine der wichtigsten praktischen Maßnahmen: Halte dein Auslandseinkommen strikt getrennt von Geldern, die du im Wohnsitzland nutzt. Mischkonten (sogenanntes „Commingling") können dazu führen, dass Steuerbehörden den gesamten Betrag als Remittance behandeln.
Best Practice:
- Eigenes Konto für Auslandseinkommen (offshore)
- Eigenes Konto für Lebenshaltungskosten im Wohnsitzland
- Klare Dokumentation jeder Überweisung zwischen den Konten
- Kein Kreditkartengebrauch im Wohnsitzland, der mit Offshore-Konten verknüpft ist
Timing der Überweisungen
In manchen Steuerjahren kann es sinnvoll sein, bewusst Einkommen ins Land zu bringen — etwa wenn du hohe Freibeträge oder niedrige Steuersätze hast. In anderen Jahren hältst du alles offshore. Diese Flexibilität ist der strategische Kern des Remittance-Prinzips.
Nutzung von Kapitalgewinnen (Malta-Spezifik)
In Malta sind ausländische Kapitalgewinne generell steuerfrei — auch bei Remittance. Das eröffnet eine Gestaltung, bei der du laufendes Einkommen offshore hältst, aber Veräußerungsgewinne frei nach Malta überweisen kannst.
Risiken und Fallstricke: Was du unbedingt beachten musst
Das Remittance-Prinzip ist kein Selbstläufer. Es gibt erhebliche Risiken, die du kennen und managen musst.
1. Die Definition von „Remittance" ist breiter als du denkst
Wie oben beschrieben: Eine Remittance ist nicht nur eine Banküberweisung. Jede Form der Nutzung ausländischer Einkünfte im Wohnsitzland kann als Remittance gewertet werden. Das gilt auch für:
- Einen Laptop, den du im Ausland kaufst und im Wohnsitzland nutzt
- Reisekosten, die mit Offshore-Geldern bezahlt werden und eine Reise im Wohnsitzland betreffen
- Darlehen an Dritte im Wohnsitzland, die mit Offshore-Mitteln finanziert werden
2. Wegzugsbesteuerung beim Verlassen von DACH
Bevor du überhaupt in ein Remittance-Land ziehen kannst, musst du die deutsche, österreichische oder schweizerische Wegzugsbesteuerung prüfen. Unrealisierte Gewinne auf Unternehmensanteile über 1 % werden bei Wegzug aus Deutschland sofort fällig — unabhängig vom Zielland.
3. CRS und automatischer Informationsaustausch
Seit der Einführung des Common Reporting Standard (CRS) tauschen über 100 Länder automatisch Finanzdaten aus. Dein Wohnsitz-Finanzamt weiß also, was auf deinen Offshore-Konten liegt. Das Remittance-Prinzip ist vollkommen legal — aber es funktioniert nur, wenn du es korrekt anwendest und offenlegst.
4. Steueroasen-Abwehrgesetz (StAbwG)
Wenn du Geschäftsbeziehungen in Länder auf der EU-Schwarzen-Liste unterhältst, können deutsche Abwehrmaßnahmen greifen — auch nach deiner Auswanderung, solange du noch deutsche Einkünfte hast. Details dazu findest du in unserem Artikel zum Steueroasen-Abwehrgesetz.
5. Politisches Risiko: Regeländerungen
Das UK-Beispiel zeigt: Ein Remittance-System kann über Nacht abgeschafft werden. Thailand hat sein System 2024 verschärft. Irland hat 2024 eine neue Obergrenze für Hochvermögende eingeführt. Wer sein gesamtes Steuermodell auf ein einziges Remittance-Regime stützt, geht ein Klumpenrisiko ein.
Aktuelle Entwicklungen 2025/2026: Was sich verändert hat
Die Welt der Remittance Base Taxation ist in Bewegung wie nie zuvor. Hier die wichtigsten Entwicklungen:
UK: Übergangsregeln und TRF
Die Temporary Repatriation Facility (TRF) läuft bis 2027/28. Ehemalige Non-Doms können Altbestände zu 12 % (2025/26 und 2026/27) bzw. 15 % (2027/28) repatriieren. Das schafft ein begrenztes Zeitfenster für die steueroptimierte Auflösung alter Offshore-Strukturen.
Malta: Stabil und attraktiv
Malta hat keine Änderungen am Non-Dom-Regime vorgenommen und gilt als einer der stabilsten Remittance-Standorte. Die EU-Mitgliedschaft gibt zusätzliche Rechtssicherheit.
Irland: Nachschärfung für Hochvermögende
Die neue Deemed-Remittance-Regel für Einkommen über 1 Million EUR zeigt: Irland will das System behalten, aber Extremfälle begrenzen. Für die meisten Auswanderer aus dem DACH-Raum mit normalem Unternehmereinkommen bleibt Irland dennoch attraktiv.
Thailand: Unsicherheit hält an
Die vorgeschlagene Zwei-Jahres-Karenzzeit ist Stand Mitte 2026 nicht in Kraft. Die politische Instabilität macht eine verlässliche Steuerplanung in Thailand derzeit schwierig. Wer Thailand als Steuerstandort in Betracht zieht, sollte mit dem Worst Case rechnen: volle Besteuerung aller Remittances.
OECD und EU: Druck auf alle Remittance-Regime
Die OECD drängt seit Jahren auf eine Harmonisierung der Steuersysteme. Die EU-Kommission hat mehrfach kritisch auf die Non-Dom-Regime in Malta, Zypern und Irland hingewiesen. Es ist nicht auszuschließen, dass der politische Druck in den kommenden Jahren zunimmt — auch wenn kurzfristig keine Änderungen zu erwarten sind.
Ehrlicher Realitätscheck
Remittance Base Taxation klingt auf dem Papier fantastisch. Du lebst im Süden Europas, dein Geld arbeitet offshore, und du zahlst nur Steuern auf das, was du zum Leben brauchst. Aber die Realität ist komplexer:
Du brauchst echte Substanz. Wer in Malta lebt, muss dort tatsächlich leben — mit Mietvertrag, sozialem Leben und physischer Präsenz. Ein Briefkasten reicht nicht. Die maltesischen Steuerbehörden prüfen zunehmend, ob der Lebensmittelpunkt tatsächlich auf der Insel liegt.
Du brauchst professionelle Beratung. Die Interaktion zwischen Herkunftsland-Steuerrecht (Wegzugsbesteuerung, erweiterte beschränkte Steuerpflicht), Zielland-Steuerrecht (Remittance-Regeln, Mindeststeuer) und internationalem Rahmen (DBA, CRS, EU-Recht) ist zu komplex für Eigenrecherche allein. Ein spezialisierter internationaler Steuerberater ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit.
Du bezahlst mit Einschränkungen. Wer das Remittance-Prinzip nutzt, muss seine Finanzen diszipliniert trennen. Kein spontanes Überweisen, keine gemischten Konten, keine Kreditkarten-Grauzonen. Das erfordert Organisation und Disziplin — jeden Tag.
Du bist abhängig von politischen Entscheidungen. Das UK hat gezeigt, dass selbst ein 200 Jahre altes System innerhalb einer Legislaturperiode abgeschafft werden kann. Wer sein gesamtes Finanzleben auf ein einziges Remittance-Regime aufbaut, lebt mit einem Risiko, das er nicht kontrollieren kann.
Die Vorteile sind real — aber sie erfordern Arbeit. Für gut informierte Unternehmer mit klarer Struktur kann Remittance Base Taxation Zehntausende Euro pro Jahr einsparen. Aber nur, wenn du es richtig machst.
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Remittance Base Taxation und Territorialbesteuerung?
Bei der Territorialbesteuerung ist Auslandseinkommen grundsätzlich steuerfrei — egal ob du es ins Land bringst oder nicht. Bei Remittance Base Taxation ist Auslandseinkommen nur dann steuerfrei, wenn du es nicht ins Wohnsitzland überweist. Bringst du es ins Land, wird es besteuert. Der Unterschied liegt also im Auslöser: Bei der Territorialbesteuerung ist es der Entstehungsort, beim Remittance-Prinzip der Zuflussort.
Kann ich als Deutscher die Remittance Basis in Malta oder Irland nutzen?
Ja — vorausgesetzt, du wirst dort steuerlich ansässig und verlegst deinen Lebensmittelpunkt tatsächlich dorthin. Gleichzeitig musst du deine deutsche unbeschränkte Steuerpflicht sauber beenden (Abmeldung, kein Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland). Außerdem ist die deutsche Wegzugsbesteuerung zu prüfen, bevor du gehst.
Gibt es eine zeitliche Begrenzung für die Remittance Basis?
Das kommt auf das Land an. In Malta: nein — du kannst die Remittance Basis zeitlich unbegrenzt nutzen. In Irland: grundsätzlich auch nicht, aber seit 2024 gibt es für Einkommen über 1 Million EUR eine neue Deemed-Remittance-Regel nach 15 Jahren. Im neuen UK-FIG-Regime: nur 4 Jahre.
Was passiert, wenn ich Geld auf eine Kreditkarte im Wohnsitzland lade?
Wenn die Kreditkarte im Wohnsitzland registriert ist und du sie mit Offshore-Geldern bedienst, kann das als Remittance gewertet werden. Die genaue Behandlung hängt von der Jurisdiktion ab, aber grundsätzlich gilt: Jede Nutzung ausländischer Mittel im Inland ist potenziell steuerpflichtig.
Lohnt sich Remittance Base Taxation für normale Angestellte?
In der Regel nicht. Das System entfaltet seinen Vorteil vor allem bei Unternehmern, Investoren und Freiberuflern mit ausländischen Einkommensquellen, die sie steuern können. Wer ein festes Gehalt von einem lokalen Arbeitgeber bezieht, hat kaum Gestaltungsspielraum — denn das lokale Einkommen wird ohnehin voll besteuert.
Dein nächster Schritt
Remittance Base Taxation ist ein mächtiges Werkzeug — aber es ist kein Selbstläufer. Der erste Schritt ist immer derselbe: Klarheit über deine Ausgangssituation schaffen. Welche Einkünfte hast du? Woher kommen sie? Wie ist deine aktuelle steuerliche Anbindung an Deutschland, Österreich oder die Schweiz?
Wenn du wissen willst, ob Malta, Irland oder ein anderer Standort mit Remittance-Prinzip für dich funktioniert, dann brauchst du einen individuellen Steuercheck. Keine Pauschalantwort, sondern eine auf deine Situation zugeschnittene Analyse.
Wir bei Freiheitspilot begleiten dich dabei — von der ersten Standortanalyse bis zum sauber aufgesetzten Steuermodell. Nicht als Steuerberater (das überlassen wir unseren Netzwerkpartnern), sondern als strategischer Navigator, der die Fäden zusammenhält.
Du springst nicht blind — du landest sicher.
Quellen:
- Norton Rose Fulbright: Abolition of the "non-dom" regime (2025)
- HaysMac: Abolition of the UK non-dom regime from April 2025 (2025)
- Mondaq: Remittance Basis of Taxation for Individuals in Malta (2026)
- NathanTrust: Ireland non-domiciled tax — 16 things you need to know (2025)
- Revenue.ie: Remittance basis of assessment — Part 05-01-21a (2025)
- ExpatTaxThailand: How Thailand Taxes Foreign-Sourced Income — 2026 Update (2026)
- Wise Equity Legal: Thailand's Foreign Income Tax Overhaul (2025)
- Grant Thornton: Tax Haven Defence Act (StAbwG) and EU blacklist (2025)